Don Juan an der Küste Ecuadors ODER „Wie viel Zivilisation braucht man eigentlich?“

Ein Erfahrungsbericht

Als Backpacker, Langzeitreisender oder Weltenbummler, wie auch immer man sich bezeichnen mag, sucht man nach den noch unbekannten Paradiesen. Das gehört irgendwie dazu. Vielleicht haben wir alle zu oft „The Beach“ mit Leo DiCaprio gesehen, oder es liegt einfach in unserer Natur Neues entdecken zu wollen. Jedenfalls leuchten unsere Augen, wenn uns jemand von DEM Geheimtipp im Land XY am Strand so und so erzählt. „Ein kleines Paradies“, „Da müsst ihr hin“, „absoluter Geheimtipp“ oder „da gibt’s fast keine Touristen“.

Ecuador Küste Fischerort Don Juan

Na dann, auf da hin. Wir bekamen den Tip an die Küste Ecuadors ins kleine „Pueblo“ Don Juan zu fahren. Genauer gesagt, in eine Lodge, die eingebettet zwischen Dschungel und trotzdem am Meer liegt. Unweit des Fischerdörfchens Don Juan (kennt niemand in Ecuador), in der Nähe von Jama (kennen ein paar in Ecuador). 

Nach einem super anstrengenden Fahrtag, mit vier verschiedenen Bussen, etlichen Zwischenstopps, einem defekten Bus und Fehlinformationen der Mitarbeiter später, kommen wir nach knapp 10 Stunden nachts an der Lodge an. Der Fahrer des Busses kennt die Lodge nicht. Er schmeißt uns einfach an der einzigen Straße an der Küste raus. Mitten in der Nacht. Wir finden die Lodge und sind fix und fertig.

Kein Frühstück im Paradies

Ecuador Küste Fischerort Don Juan

Der Pool

Erstmal ankommen im Paradies. Wir schauen uns den Bungalow, den man uns zuweist am nächsten Morgen an. Ziemlich runtergekommen. Unter dem Dach im zweiten Geschoss hausen Tauben und der Dachboden staubt. Naja, wir wollten ja untouristisches, minimalistisches Paradies und buchten in der empfohlenen Lodge. Wir sind die einzigen Gäste. Es gibt einen Pool. Die blaue Farbe blättert überall ab und es riecht verchlort. Die Bilder der Lodge die man im Internet findet sehen irgendwie anders aus. Alles ist neu und die Gäste auf den Bildern lächeln. Wir wollen frühstücken und gehen zum Restaurant der Lodge, das sich als Terrasse mit Dach entpuppt. „No Desayuno. No, No“ Wie, kein Desayuno (Frühstück)? Egal, wir sind im Paradies, nur ein paar Meter vom Strand entfernt. Suchen wir uns ein kleines Strandcafe für Frühstück.  

In der Lodge kein Essen / draußen auch nicht

Der Weg zum Strand führt an einer Garnelenzuchtanlage vorbei. Nicht sehr einladend. Am Strand angekommen, weder links noch rechts kleine Strandbars. Auch keine großen. Garnichts. Kleine Häuser gibt es, die Bewohner liegen davor in Hängematten und schauen uns desinteressiert an. Hmm was nun?

vögel Ecuador Küste Fischerort Don Juan

erinnert etwas an „Die Vögel“ von A. Hitchcock

In der Lodge kein Essen, draußen am Strand auch nicht. An der Straße oben war weit und breit nichts. Wir überschlagen die Reste unserer Wegverpflegung und entscheiden uns eben diese zu vertilgen. Am Restaurant wollen wir nach zwei Tassen Kaffee fragen. Und oha, auf einmal gibt es doch Frühstück. Für 6$ pro Person. Der normale Preis in Ecuador für ein Frühstück liegt bei 2-3$. Wir bestellen ein Frühstück um uns mal anzuschauen, was man für 6$ so bekommt… 

Man bekommt eine Tasse löslichen Kaffee, zwei trockene Tortillafladen die der „Koch“ in der alten Mikrowelle aufheizt, eine Scheibe Wassermelone und ein (!) Rührei. Das grenzt schon fast an Wucher und macht uns nur halb gesättigt langsam richtig sauer. Das Mittagessen soll hier 12$ pro Person kosten. Ein Almuerzo (Mittagessen) mit Saft, Suppe, Hauptgang und manchmal sogar Nachtisch kostet normalerweise 2,50$ bis 3$. Bis jetzt haben wir in Ecuador nie mehr als 4$ für solch ein Mittagessen bezahlt. Das ist unverschämt, aber der Lodgebesitzer weiß wohl, dass es für die Gäste keine andere Möglichkeit gibt. Am Strand gibt es nichts. Und wer will schon für Frühstück oder Mittagessen in das 30min entfernte Dorf fahren? Niemand. 

Keine Verbindung zur Außenwelt

Nun gut, wir wollen uns die drei Tage Strand nicht selbst verderben und beschließen eben nur zu Mittag zu essen. Zwar teuer, aber es hilft ja nichts. 

geier strand don juan ecuador

die Geier machen sich über die Fischreste der zurückgekehrten Fischerboote her

Unseren Familien müssen wir noch Bescheid geben, dass wir nach dem Busmarathon angekommen sind. Denen hatten wir vorher noch ein letztes Lebenszeichen geschickt. Die machen sich sicher schon Sorgen. Schnell ins Wifi einwählen. Ähhh nein, es gibt keines. Die Lodge wirbt aber mit kostenlosem Internet in der Anlage.

Wir fragen nach, doch Fehlanzeige. „no, no hay“ – Nein, gibt es nicht. Ist gerade kaputt.

Dann legen wir uns eben entspannt in unsere Hängematten vor dem Bungalow und genießen
die Offlinezeit. Doch so richtig entspannen können wir uns nicht. Wir haben ein schlechtes Gewissen, dass wir uns nicht zurückmelden können, weil es kein Internet gibt. Sind enttäuscht von der an allen Stellen heruntergekommenen Lodge. Und überlegen, wie wir an Essen kommen können, ohne ein Vermögen ausgeben zu müssen. Und die Dusche ist auch kaputt.

iguana don juan ecuador

Kleiner grüner Freund

Wie viel Zivilisation und Luxus braucht man eigentlich? Wie viel brauchen wir eigentlich?

Was braucht man eigentlich?

Wir dachten ja ehrlich wir bräuchten nicht viel. Was braucht man denn schon? Etwas zu essen? Wifi? Ja irgendwie schon. Braucht man Gesellschaft? Es wäre nett gewesen sich mit anderen unterhalten zu können. Die zwei, drei Mitarbeiter sprechen nur Spanisch. Unser Spanisch ist ganz ok, aber die Mitarbeiter haben wohl keine Lust uns mit Wörtern zu helfen und generell – haben wir das Gefühl hier nicht wirklich willkommen zu sein. Die Mitarbeiterin die wohl für die Kasse zuständig ist, spricht uns nur an, um nach den Dollars für die Übernachtung oder für das übertrieben teure Mittagessen zu fragen.

kugelfisch don juan ecuador küste

ein armer toter Kugelfisch, ein Teil der Reste die die Fischer den Geiern am Strand zum Verzehr auswerfen

Drei Tage später packen wir früh am Morgen unsere Rucksäcke und lassen dieses Paradies hinter uns. Klar, der Ausblick aufs Meer war traumhaft und die Grillen die man hier mitten in der Natur nachts vom Bett aus zirpen hört waren toll. Wir freuen uns trotzdem auf andere Menschen, auf Restaurants oder kleine Garküchen an der Straße, eben Möglichkeiten immer und überall einfach an Essen zu kommen, auf kabelloses Internet und auf nervende Verkäufer die uns rufen und zulächeln. Zivilisation eben. 

Eine Frage die sich uns noch stellt: Wo zur Hölle haben die in „The Beach“ eigentlich ihr Essen herbekommen??

2 Kommentare

  1. Guenter Martin

    Schön geschriebener Bericht , war wohl nicht so toll die Übernachtung am Meer.

  2. Pingback: Puerto Lopez & die Isla de la Plata - Papageientaucher

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