Geschichte einer Grenzüberquerung

In zwei Tagen von Ecuador nach Peru

5:30h am Morgen in Vilcabamba. Nach 45 Tagen verlassen wir heute Ecuador. Unser letzter Tag hier wird noch einmal richtig anstrengend und uns so einiges an Nerven abverlangen. Auf zur Grenze!

Tag 1

Kapitel 1 – Von Vilcabamba nach Zumba/La Balza

hübscher Hund - verabschiedet uns aus VIlcababamba - auf dem Weg nach Chachapoyas Peru

Der hübsche Flohsack

Vollgepackt mit unseren Rucksäcken, mit Rückenschmerzen und Muskelkater vom Reitausflug (Vilcabamba – Zu Besuch im Tal der Hundertjährigen), verlassen wir unser Hostal Le Rendevouz. Vor dem Tor unseres Hostals wartet der hübsche schwarze Hund vom Vorabend und begrüßt uns freudig sowie lautstark. Er bekam am Vorabend etwas vom Abendessen ab – ein Stück Wurst und Pommes. Das hat wohl gereicht um ihn über einen Besitzerwechsel nachdenken zu lassen. Fröhlich begleitet er uns bis zum Busbahnhof. Wir sind um 5:45h an der Bushaltestelle vor dem Terminal und warten auf den ersten Bus aus Loja. Um ca. 6:30h ist der da und wir müssen den schwarzen Flohsack leider zurücklassen (der Arme wollte so gerne mit einsteigen). Bereits im ersten Drittel nach 1 Stunde Fahrt verschlechtert sich die Straße von geteert auf Schotter. Das wechselt sich die nächsten Kilometer stetig ab. Schotter. geteerte Straße. Schotter. Zwischendurch immer mal wieder halb versperrte Straßen durch Geröll, verursacht durch abgerutschte Hänge. 

Grenzüberquerung Ecuador Peru Vilcabamba nach Chachapoyas - Erfahrungen

alles schläft im ecuadorianischen Bus

So holpern wir zusammen mit jeder Menge schlafender Ecuatorianer, begleitet von ecuatorianischem HipHop und Raegeton in Richtung Peru.

Bus Grenzüberquerung Peru Ecuador Von VIlcabamba nach Chachapoyas

metertiefe Schlaglöcher und dann auch noch Gegenverkehr…

Über die Abgründe rechts und links der Straße schießt das Wasser, verursacht durch den Regen.

Wir hoffen der Busfahrer hängt an seinem Leben…

Nach 2,5 Stunden Fahrt platzt dann plötzlich ein Reifen. Der Wechsel auf das Ersatzrad (das gleicht eher einem Slick) dauert 45 min. Dann geht es weiter.

Bus Sur Oriente Grenzüberquerung Ecuador nach Peru La Balza Zumba nach Chachapoyas

Der Reifenwechsel

Der Bus fährt uns in 7,5 Stunden bis nach La Balza an der Grenze zu Peru. 

Kosten: 5$ pro Person

Zeit: 7,5 Stunden

Nervenstrapazierung: bis auf mehrere kleine Flussüberquerungen und einem geplatzten Reifen, alles gut 🙂

Dschungel Grenzüberquerung Ecuador nach Peru La Balza Zumba nach Chachapoyas

Fahrt durch den Dschungel zur Grenze nach Peru

Kapitel 2 – Von La Balza über die Grenze bis San Ignacio

Kurz im Grenzbüro den Einreisezettel ausgefüllt. Zack, Zack, zwei Stempel in die Pässe und raus. Juhuuu! Wir sind in Perú! 🙂

Nach einem Mittagessen direkt an der Grenze überlegen wir, wo eigentlich die ganzen Collectivos, Rancheros und Taxis sind, von denen andere Reisende berichten. Außer uns kamen im Bus noch zwei Ecuatorianer mit. Andere Touristen nicht, wir sind die einzigen weit und breit. Fahrbare Untersätze sind keine zu sehen…

Grenze Ecuador Peru La Balsa Zumba

verregnete und ausgestorbene Provinzgrenze

An der Grenze kein Weiterkommen

Nach einigem Hin und Her erfahren wir vom Grenzbeamten (den wir vom Schauen der Fußball-Weltmeisterschaft Vorberichterstattung im Fernsehen abhalten), dass wohl nur Collectivos fahren, wenn mindestens vier Personen zusammen kommen. Bei uns zweien fährt keines.  Überhaupt wissen die Peruaner hier sehr wohl, wann es sich lohnt zur Grenze zu fahren um die Touristen einzusammeln – und wann nicht. Da wir Mittwochs bei diesem Regenwetter ankommen, rechnen die Fahrer mit wenig bis gar keinen Ankömmlingen, also sparen Sie sich die Anfahrt einfach. Nur etwas doof für uns. Wir haben ja mit allem Möglichen gerechnet – Probleme wegen Regen auf der Strecke, überteuerte Preise oder dass die Einreise schwierig wird. Aber, dass wir nach der Grenze nicht weiterkommen weil niemand fährt. Damit nicht.

Wir nehmen letztendlich ein vorbeikommendes Mototaxi für 2,50$ ins 2km entfernte Namballe. Dort heuern wir mangels Alternativen und mangels anderer Mitreisender ein Privatfahrzeug an, das uns für 50Soles (17$) ins 50km entfernte San Ignacio bringt. Nicht gerade günstig und der Fahrer hatte auch nicht wirklich Lust um 17:00h nochmal nach San Ignacio zu fahren. Wir wissen kurz nach Abfahrt dann auch warum. Auch auf dieser Strecke, wie noch auf der ecuadorianischen Seite, viele durch Geröll und Erdrutsche versperrte Straßen, Schlamm und im Allgemeinen schlechte Straßen überall.

Es ist kurz vor Sonnenuntergang als wir in San Ignacio ankommen.

Kosten: 2,50$ für das Mototaxi, 17$ für das Privatfahrzeug

Zeit: 4 Stunden (davon 2 Stunden Wartezeit)

Nervenstrapazierung: wir mussten lange warten und hatten zwischenzeitlich Bedenken ob wir in dem kleinen Grenzort übernachten müssen – ansonsten entspannt, aber teuer

 

Tag 2

Kapitel 3 – Von San Ignacio nach Jaén

Vom Grand Hotel San Ignacio (ist leider nicht wirklich „Grand“) fahren wir an Tag 2 am Morgen um 8:30h mit dem Mototaxi für 2 Soles zum Eastern Collective Terminal.

San Ignacio Busterminal Grenze Ecuador nach Peru

Das Busterminal

Dort schreien dann schon diverse Busfahrer und Insassen-Einsammler um die Wette. „Jaén“, „Jaén“ – j, da wollen wir hin. Für 10 Soles pro Person wirbt uns ein Minibusfahrer an. Der Minibus ist mit uns ‚completo‘ und nach dem das Gepäck aufs Dach geschnallt wurde kann’s losgehen. Wir sitzen übrigens zu vierzehnt im Minivan der für zehn Personen ausgelegt ist. Was der Fahrer zuvor nicht gesagt hat: er sammelt auf der Fahrt immer mal wieder ein bis zwei Personen zusätzlich ein. Wir fühlen uns etwas wie im Viehtransport. Trotz Protesten einiger Mitfahrer, darunter uns (wir waren in der undankbaren letzen Reihe in die der Fahrer 4 Personen quetschte und die Luft zum Schneiden war) hatte der Fahrer kein Erbarmen und sammelte fröhlich Gäste und Geld ein.

Im peruanischen Minibus – nichts für Leute mit Platzangst

Kosten: 10 Soles /Person im Minibus 

Ziel: Jaén

Nervenstrapazierung: hoch, viel zu eng im Minibus mit zwischenzeitlich 16 Insassen. Wer noch keine Platzangst hat, bekommt hier welche…

Zeit: Abfahrt um 9h, Ankunft um 11h

Kapitel 4 – Jaén nach Bagua Grande

Der Minivan aus San Ignacio setzt uns in Jaén auf einem staubigen Parkplatz ab. Es stellt sich heraus, dass wir von hier nicht nach Chachapoyas kommen. Wir müssen erst zu einem anderen Terminal. Mit dem Mototaxi geht’s für 2 Soles zum Terminal das ebenfalls ein staubiger Parkplatz ist.

San Ignacio Jean Peru Minibus Transfer Terminal

Das Terminal 🙂

Nach Chachapoyas direkt würde es erst in 2,5 Stunden gehen, deshalb nehmen wir den nächsten Minivan für 4 Soles pro Person, der uns nach Bagua Grande bringt.

Kosten: 4 Soles / Person im Minibus

Ziel: Bagua Grande

Nervenstrapazierung: gering, fast schon komfortabel im halb leeren Minivan

Zeit: Abfahrt um 11:40h, Ankunft um 12:45h

 

Kapitel 5 – Bagua Grande nach Chachapoyas

Endlich die letzte Etappe! Der Minibus aus Jaén setzt uns netterweise direkt vor einer kleinen Halle ab in der bereits ein recht großer neu aussehender Minivan zur Abfahrt nach Chachapoyas bereit steht. In 10 min soll es los gehen. Das Gepäck muss mal wieder auf’s Dach geschnallt werden. Dafür gibt’s kurz vor Abfahrt noch zwei riesen Stücke Wassermelone für jeweils 1 Sole(s). Und fast pünktlich geht’s dann los zur letzten Etappe. 

Kosten: 10 Soles / Person im Minibus

Ziel: Chachapoyas 

Nervenstrapazierung: fast schon angenehme Fahrt – nur das letzte Stück hoch nach Chachapoyas war nicht toll – das dauerhafte Serpentinen fahren schlägt irgendwann auf den Magen… Kommentar von Sebastian: „Die Stoßdämpfer waren definitiv am A****.“

Zeit: Abfahrt um 13:00h, Ankunft um ca. 16:00h

 

Fazit zur Grenzüberquerung von Vilcabamba nach Chachapoyas

Die vorbeiziehenden Landschaften auf der ecuadorianischen Seite waren die „Strapazen“ auf jeden Fall wert.

Wir haben die größten Hähne überhaupt gesehen. Wir konnten südecuatorianische Architektur bestaunen. Haben Omis zugewunken – und haben Lächeln geerntet. Wir sind mit dem Bus durch Flüsse gefahren. Und wir wissen nun mit wie wenig Sauerstoff man in einem Minivan überleben kann.

Was wir noch nicht wissen: Wurde in dem Ort Zumba (Umstiegsort auf Etappe 1) eigentlich Zumba erfunden? 🙂

6 Kommentare

  1. Melanie Fäth

    Liebe Jessy, lieber Sebastian,

    euer Blog ist super!
    Es macht richtig Spaß eure Berichte zu lesen! Super geschrieben, und die Fotos… wow!!!
    Scheint, als hättet ihr eine tolle Zeit mit aufregenden Abenteuern und Erfahrungen!
    Und wir dürfen so ein bisschen teilhaben und uns mit euch freuen! Danke 🙂
    Wünschen euch noch ganz viele unvergessliche Erlebnisse!
    Genießt es!

    Liebe Grüße aus der Heimat,

    Meli, Alex und Leonie

    • Papageientaucher

      Wie schön, dass es euch gefällt & ganz liebe Grüße zurück in die Heimat!! 🙂

      Jessy

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