Der Canyon und das Müllproblem

Wohin nur mit dem Müll?

Müllproblem in Peru Landschaft Müll Straßenrand

Müll am Straßenrand, nahe Nazca/Peru

Müll wohin man schaut. So ging es uns vor allem in Peru. Etliche Male waren wir fassungslos wie die Menschen so gedankenlos ihren Müll in der Natur entsorgen. Auf dem Weg nach Paracas in den Süden Perus mussten wir sogar dabei zusehen, wie aus Faulheit und Rücksichtslosigkeit etliches an Plastik aus einem Auto geschmissen wurde. Vor uns fuhr ein Peruaner. Er und sein Beifahrer hatten sich wohl eben ihr Mittagessen einverleibt und warfen anschließend einfach ihren kompletten Müll aus den Fenstern, an unserem Auto vorbei direkt in die vorbeiziehende Landschaft. Aus Ärger und Fassungslosigkeit darüber hupte Sebastian. Die Folge war: er und sein Beifahrer schauten kurz erstaunt in den Rückspiegel um anschließend direkt noch mehr Plastik aus den Fenstern zu schmeißen. Einfach unfassbar. Das war in Peru.

Knapp zwei Monate später waren wir begeistert von Mexiko. Von seinen Landschaften, den mystischen Pyramiden und der Kultur und von den Straßen und Städten die viel weniger vermüllt zu sein schienen, als Südamerikas Städte.

Tuxtla Innenstadt Mexiko

Wir reisten nach Tuxtla, nahe der bei Reisenden beliebten Stadt San Cristóbal de las Casas. Zwischen diesen beiden Städten liegt der Cañon del Sumidero. Mit seinen bis zu 1.000m hoch aufragenden Steilwänden ist der Cañon ein beliebtes Ausflugsziel. Der Cañon del Sumidero liegt im gleichnamigen 20.000 Hektar großen Nationalpark. Der Nationalpark beherbergt allerlei freilebende Tiere, wie Flussschildkröten, Krokodile und Affen. 

Um den Cañon vom Wasser aus bewundern zu können, kauften wir uns Tickets für die nächste Bootstour. Die Preise waren zwar für mexikanischer Verhältnisse überteuert, aber wir hatten so viel Tolles über den Cañon gelesen, dass wir in den sprichwörtlichen sauren Apfel bissen und die Pesos zückten.

Canon del Sumidero Bootsfahrt Mexiko Tuxtla San Cristobal de las Casas

Der Cañon del Sumidero

Eine Bootsfahrt die ist lustig

Im vollbesetzten Boot ging es also los. Schon nach ein paar Minuten sahen wir die ersten Affen. Einer schwang sich akrobatisch von einem Ast zum nächsten, als wollte er uns staunende Touristen beeindrucken. Erste Kameras wurden gezückt und Haare und Sonnenbrillen zurecht gerückt. So ein Selfie mit Affe im Hintergrund hat ja auch nicht jeder. Ein zweites, ziemlich großes Exemplar war etwas fauler und hängte sich mal eben an einem Ast auf, um gemütlich uns Touristen im Boot (allesamt mit leuchtend roten Warnwesten)  zu begutachten. Herrliche Zeitgenossen 🙂

Aussicht Canon del Sumidero Bootsfahrt Mexiko Tuxtla San Cristobal de las Casas

Affe im Canon del Sumidero Bootsfahrt Mexiko Tuxtla San Cristobal de las Casas

Bootsfahrt Canon del Sumidero Affe Mexiko San Cristobal de las casas Tuxtla

Die Fahrt ging weiter und kurz danach folgte schon die nächste Tiersichtung. Ein Krokodil sonnte sich gerade am Ufer des Canyon. Um das Krokodil verteilt lagen mehrere leere Plastikflaschen. Einigen eifrigen Fotografen im Boot entfleuchte der erste Fluch. So ein Foto kann man doch nicht gebrauchen. Krokodil neben Plastikflasche! An dieser Stelle wussten wir noch nicht, dass uns noch viel Schlimmeres erwarten sollte.

Krokodil Canon del Sumidero Bootsfahrt Mexiko Tuxtla San Cristobal de las Casas

Das Krokodil neben Plastikflaschen

Ein Meer aus Plastik

Als alle ihre Krokodilfotos im digitalen Kasten hatten, gab der Bootsführer wieder Gas. Bis zum nächsten Stop, diesmal leider ein ungewollter. Vor uns lag ein riesiger Müllteppich. Man konnte nur erahnen wie viel Plastik hier schwamm, aber es müssen Tonnen gewesen sein. Der Bootsführer machte den Motor aus. Er musste nach einem Weg suchen, um mit seinem kleinen Boot durch dieses undurchdringliche Meer an Plastik zu kommen. Wir konnten es nicht fassen. Wir hatten noch nie etwas derartiges gesehen.

Müllteppich Müll im Canon del Sumidero Bootsfahrt Mexiko Tuxtla San Cristobal de las Casas

Müll Plastik Canon del Sumidero Bootsfahrt Mexiko Tuxtla San Cristobal de las Casas

die Männer in diesen Booten versuchten den Müllteppich passierbar zu machen

Langsam kämpfte sich der Bootsführer durch den Müll. Hier und da sahen wir Schuhe, Plastikteile jeglicher Art, große, kleine. Tüten. Und Flaschen. Unendlich viele Plastikflaschen. Es stank entsetzlich und eine Horde Fliegen und Mücken umkreiste unsere Köpfe und setzten sich zuhauf auf unseren Beinen und Armen ab. Alles begann um sich zu schlagen. Eine junge Mexikanerin warf ihre Handtasche davon und band sich angewidert ihr Halstuch um den Mund. Ja, das hier wollte niemand sehen, geschweige denn riechen. Abgesehen vom Schlagen nach Mücken wurde es totenstill im Boot. Zum Lachen war niemandem zu Mute.

Müllteppich Müll Plastik Canon del Sumidero Bootsfahrt Mexiko Tuxtla San Cristobal de las Casas

Wir fragten den Bootsführer wo der ganze Müll her kommt. Er wurde angeschwemmt. Der Bootsführer erklärte uns, dass all der Müll, der in den Straßen der kleinen Stadt oberhalb des Cañons auf die Straße geworfen wird, mit jedem Regen hier herunter gespült wird – vor allem in der Regenzeit. Das macht Sinn. Doch warum liegt der ganze Müll denn überhaupt auf den Straßen? – Die Menschen werfen ihn eben da hin, so seine logische Antwort. Tja, so ist das nunmal. Wir sehen ein paar Männer in einem Boot, die das aussichtslose Unterfangen starteten, den Müllteppich zumindest einigermaßen passierbar zu machen. Sie holten große Äste, die mit angespült wurden und große Plastikteile aus dem Wasser. Doch um den ganzen Müll abzutransportieren, bräuchten die drei Männer wohl Wochen. Und jeden Tag wird neuer Müll angespült.

Ein deprimierender Ausflug in einen Nationalpark

Wasserfall Müllteppich Canon del Sumidero Bootsfahrt Mexiko Tuxtla San Cristobal de las Casas

ein Wasserfall im Cañon del Sumidero

Unser Boot steckte nach ein paar Metern dann fest. Hier war kein Durchkommen. Der Bootsmann setzte zurück. Beim zweiten Anlauf fand das Boot, oder besser der Bootsmann, dann einen Weg. Uns war die Stimmung vergangen – wir wären am liebsten umgekehrt. Die Mexikaner waren da flexibler. Kurz die letzte Mücke verscheucht – auf zum nächsten Selfie. Oh, ein Wasserfall, schaut, da vorne!

Der Canyon war und ist traumhaft schön. Aber es zerriss uns das Herz, zu sehen wie die Natur vom Menschen zugrunde gerichtet wird und Krokodile und andere Tiere zwischen Plastikflaschen schwimmen (und leben) müssen. So endete nach zwei Stunden unser Ausflug in den Cañon del Sumidero für uns sehr bedrückend. Wir hoffen sehr, dass die Einheimischen hier, vielleicht früher oder später ihren Müll nicht mehr achtlos auf die Straße werfen und versuchen zu retten, was hoffentlich noch zu retten ist.

Wasserfälle Canon del Sumidero Bootsfahrt Mexiko Tuxtla San Cristobal de las Casas

Dunkle Zeiten für den Cañon

 

2 Kommentare

  1. Ilona Marten

    Einer der Gründe, weshalb auf Lanzarote die Leute nicht selbst im Timanfaya Nationalpark spazieren dürfen. Es ist wohl auch gefährlich, aber damals haben uns die Leute auch gesagt, sie wollten keinen Müll. Einfach nur traurig, dass man die Menschheit eigentlich ganz von der Natur fernhalten muss, damit so etwas nicht passiert…

    • Papageientaucher

      So ist es, nur leider lassen sich oftmals die Leute inkl. ihrem Abfall nicht fern halten. Sehr traurig!

      Liebe Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.