Leben wie die indigenen Völker im Amazonas – Teil 1

Teil 1

Ankunft im brasilianischen Amazonas

Heute ist Tag 7. Nicht mein siebter Tag hier im Dschungel. Auch nicht Sebastians siebter Tag hier. Es ist der siebte Tag an dem wir hier alleine, mitten im Amazonas Regenwald in einer Holzhütte leben. Wobei die Holzhütte mehr ein Unterschlupf ist, nach allen Seiten offen. Lediglich ein Dach aus Palmenblättern schützt uns vor tropischem Regen und Holzdielen am Boden vor zu vielen tierischen Mitbewohnern. Doch Ameisen und Moskitos lassen sich leider weder von Holzdielen noch Dächern abhalten.

Flughafen Jordao Airport Amazonas Acre Brasilien Ortiz Aerotaxi

Der Flughafen in Jordâo – rechts die Wartehalle, dahinter die Start- und Landebahn und links das Ticketoffice

Vor 10 Tagen bin ich mit dem Aerotaxi in Jordâo, einem kleinen Dorf mitten im brasilianischen Amazonasregenwald, gelandet. Der Flughafen hier besteht aus einer Start- und Landebahn sowie einer kleinen überdachten Terrasse – die Wartehalle. Während ich den Aerotaxi-Mitarbeiter beim Ausladen des Gepäcks beobachte, hoffe ich inständig, dass es mein Gepäck, der große Deuter Rucksack, dieses Mal in den richtigen Flieger geschafft hat.

Drei Tage zuvor wartete ich vergeblich auf meinen großen Rucksack. Nach 8 Monaten auf Reise ist der Deuter Backpack sowas wie ein Zuhause geworden. In ihm ist alles was ich zur Zeit besitze. Ich stehe am Kofferband in Rio Branco, nachts um 23h und warte auf meinen Rucksack. Wenn alles klappt, könnte ich sogar schon morgen weiterfliegen in den Amazonas, zu Sebastian. Ein paar Tage früher  als gedacht.

Gestrandet in Rio Branco

Und dann haben irgendwann alle ihren Koffer vom Band gezogen. Zurück bleibe ich. Kein Rucksack für mich. „Nein, das waren alle Gepäckstücke“ teilt mir der Mitarbeiter von LATAM in gebrochenem Englisch mit. Nein, kein Rucksack für mich.

Nach 20 Stunden unterwegs und 3 Flügen quer durch Brasilien hat man nach Mitternacht nur wenig Lust zu erklären, wie der Rucksack aussah. Geschweige denn, ist man in der Lage den exakten Inhalt des Backpacks wiederzugeben. „Wir haben da etwas, das könnte ihr Koffer sein…“ Rucksack – nicht Koffer, versuche ich dem Brasilianer zum x-ten Mal zu erklären, während dieser angestrengt in seinen alten Röhrenmonitor starrt. Und wo ist der Koffer / Rucksack, der meiner sein könnte, frage ich den LATAM Mitarbeiter. „Noch in Brasilia“ – Ich denke, dass die vier Stunden Wartezeit die ich dort Aufenthalt hatte, offenbar nicht gereicht haben, damit der Rucksack in den richtigen Flieger verfrachtet wurde. „Keine Sorge, ihr Rucksack kommt mit dem nächsten Flieger aus Brasilia. Das wäre morgen Abend um 23h und wird Ihnen dann direkt in ihr Hotel gebracht.“

Drei Tage später, immer noch ohne Gepäck und saubere Kleidung verliere ich langsam die Geduld. Die unendliche Warterei macht mich verrückt. Ohne meinen Rucksack, kann ich nicht weiterfliegen. Ich schnappe mir ein Taxi und fahre die 30 Minuten zum Flughafen Rio Branco, in der Hoffnung meinen Rucksack aufzuspüren. Und dann – nach 3 Stunden einsamer Wartezeit am verlassenen Provinzflughafen Rio Branco kommt endlich der erste Flieger von LATAM an und mit ihm Mitarbeiter, die mir hoffentlich sagen können, was mit meinem Rucksack passiert ist. Ich schnappe mir den ersten LATAM Mitarbeiter, den ich zu fassen bekomme. Der bittet mich um einen Moment Geduld, öffnet die Tür zum Latam-Office und da steht er – mein Rucksack. „Ist das Ihrer??“ – ja, und wie das meiner ist. Ich zeige ihm meinen Namen und Adresse die vorne auf dem Rucksackcover (nach wie vor) klar zu lesen sind. Warum trotzdem nicht klar war, ob das mein Rucksack ist und warum er mir nicht zugestellt wurde, bleibt das Geheimnis von LATAM. Ich war jedenfalls heilfroh ihn wieder zu haben. Am nächsten Morgen konnte ich endlich in den Dschungel zu Sebastian.

Amazonas von oben Aerotaxi RIo Branco nach Jordao Brasilien

Der Amazonas Regenwald – die grüne Lunge der Erde (fotografiert aus dem Aerotaxi)

Ankunft in Jordâo – das Tor zum Amazonas

Während ich in Jordâo erneut auf mein Gepäck warte und in der schwülen Morgenhitze Moskitos aus meinem Sichtfeld verscheuche, werde ich von den Bewohnern Jordâo‘s eindringlich gemustert. Einige warten ebenfalls auf ihr Gepäck. Andere holen Familienmitglieder ab. Von Sebastian keine Spur. Ein indigener Bewohner, behangen mit Perlenschmuck und gewebtem Stirnband kommt auf mich zu. Ich verstehe seinen Namen nicht, aber er kennt offenbar meinen?! Sebastian scheint ihn zu kennen. Ich hoffe kurz, dass er hier ist um mich abzuholen – aber nein. Irgendwann kommt dann auch das Gepäck und alle Anderen machen sich auf den Weg. Sebastian wollte mich eigentlich am 20.12. hier in Jordâo abholen. Heute ist der 20.12.

Da er hier weder Netz noch Wifi hat, habe ich seit 4 Wochen nichts von ihm gehört. Ihm muss wohl etwas dazwischen gekommen sein. Ich schnappe mir kurzerhand meinen Rucksack und

Restaurant Avenida Jordao Acre Brasilien Adresse Boot

Mein einziger Anhaltspunkt im Amazonasnest Jordâo

mache mich auf den Weg zur einzigen Adresse, die ich hier habe. Ein Restaurant – vermutlich das Einzige hier. Hierhin wäre ich auch gegangen, hätte ich bereits vor 2 Tagen fliegen können, denn die Besitzerin des Restaurants hätte Kontakt zum Bootsmann des Dorfes und könnte angeblich den Transfer ins Dorf Altamira organisieren. 

Vollgepackt und mit Flipflops läuft es sich ziemlich bescheiden auf der matschigen Hauptstraße von Jordâo. Im „Restaurant Avenida“ angekommen wissen sie immerhin wer ich bin. Das war mehr als ich mir erhofft hatte. Die Besitzerin startet auch direkt damit, ein Boot für mich zu organisieren. Von Jordâo bis ins indigene Dorf Altamira, wo sich Sebastian seit 6 Wochen aufhält, sind es noch einmal knapp 2 Stunden Fahrt mit dem Boot, je nach Wetterlage. So viel wusste ich von Sebastian im Vorfeld. Während ich noch darüber grübele, ob das mit dem Boot heute noch klappt, sehe ich Sebastian, der mit dem Fahrrad auf das Restaurant zusteuert. Gott sei dank!! Ich glaube wir haben beide ganz schön gestrahlt!

Ende des ersten Teils – Teil 2 folgt umgehend 🙂

4 Kommentare

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