Was isst man eigentlich im Dschungel?

Erdnüsse Limetten Minze Acre Amazonas Brasilien Blog Erfahrungen

Die Antwort ist einfach. Das was es gibt und die Natur hergibt. Die indigenen Stämme im Bundesstaat Acre im brasilianischen Amazonas ernähren sich hauptsächlich von Maniok, ein kartoffelähnliches Gemüse, Bananen und Fisch. Was etwas einseitig klingt, ist es auch – zumindest für unsere europäischen Mägen. Doch diese drei Grundnahrungsmittel sorgen für den Fortbestand der indigenen Bevölkerung, denn sie sind in Hülle und Fülle vorhanden und müssen nicht mit Geld gekauft werden. 

Zwei Essensliebhaber auf kulinarischer Erkundungsreise 

Doch auf was kann man sich nun freuen, sollte man die Gelegenheit haben in die kulinarischen Genüsse des Regenwaldes eintauchen zu können? Wir hatten ordentlich Zeit und konnten uns mal durch so einiges Neues und Altbekanntes durchprobieren.

Collage Ananas

Die Einen pflücken die Ananas – die Anderen essen sie 🙂

Als „Aperitif“ könnte es ein heißes Bananengetränk geben. Etwa ein Smoothie? Naja, so ähnlich… Dazu verkochen die Frauen reife bis überreife Bananen, die hier übrigens ganz anders schmecken, als die importierten Bananen, die wir im Supermarkt zu kaufen bekommen. Bananen werden hier übrigens auch giftgrün gegessen. Allerdings nicht roh (Wir haben es versucht… nicht zu empfehlen – fühlt sich an wie klebriger Gummi und schmeckt auch so). Die grünen Bananen werden lange gekocht bis sie weich werden und dann mit viel Salz gegessen werden. Das schmeckt dann etwas wie Salzkartoffeln. Alternativ kann man die gekochten grünen dann noch auf den „Grill“ legen. Das sieht dann so aus:

Grillbananan Amazonas Acre Brasilien Blog Erfahrung Dschungel

Bananen vom Feuer

Zurück zum Bananentrunk: sind die Bananen ordentlich im Wasser eingekocht, was einige Zeit dauert, wird der Topf vom Feuer genommen und die Bananen im restlichen Kochwasser zerstampft. Heraus kommt ein heißes Bananengetränk. Das schmeckt leicht süßlich und etwas ungewohnt, da noch zerkleinerte große und kleine Bananenstückchen im Trunk schwimmen.

Speiseplan des Amazonas

Als kleinen Snack zwischendurch oder als Frühstück gibt es Erdnüsse. Die wachsen hier und je nach Saison gibt es davon reichlich. Die Erdnüsse kommen hier aber natürlich nicht fein geschält und gepellt daher, sondern mit Erde bedeckt in ihrer Schale und noch an Zweigen hängend.

Collage Erdnüsse Amazonas Acre Brasilien

Je nach Alter der Erdnüsse und wie lange sie schon gelagert wurden, sind sie noch weiß, hellrosa, rosa-weiß-getigert oder dunkelrot ODER es winkt einem beim Schälen ein Würmchen entgegen. Angebraten schmecken die Nüsse, nicht die Würmer (!), köstlich und man hat (endlich mal wieder) etwas Festes zum Kauen. Lecker schmecken die frischen Erdnüsse zu Farinha, unser Lieblings-Frühstücks-Alternative. Wo wir bei unserem persönlichen Platz 1 unter den Amazonas Nahrungsmitteln wären.

Collage Töpfe Essen im Amazonas Brasilien Huni Kuin

Blick in die Töpfe… links Maniok mit Fisch und rechts Farinah mit Fisch

 

Mein täglich Brot gib mir heute

Farinah heißt Mehl und besteht aus getrocknetem, gemahlenem Maniok. Die indigenen essen Farinah gerne pur mit der Hand, z.B. zu gebratenem Fisch oder zu gekochtem Maniok. Farinah selbst schmeckt ziemlich langweilig, etwa wie Paniermehl und sieht auch tatsächlich so aus. Auch die Konsistenz erinnert sehr an Semmelbrösel. Doch angebraten in Öl, zusammen mit frischen Erdnüssen schmeckt Farinah ganz lecker und wir haben uns in den 5 Wochen in denen wir hier zusammen waren, viel und gerne von gebratenem Farinah ernährt. Farinah mit Banane war übrigens Jessy’s morgendlicher Müsli-Ersatz.

Bis wir dann das Brotbacken für uns entdeckt haben. In der Einsamkeit des Amazonasdschungels, weit ab vom maniokkochenden Dorf, kommt man an der Feuerstelle seiner Hütte auf die verrücktesten Ideen. „Ach wie herrlich wäre jetzt ein schönes Brot!“ Ein Bauernbrot, aus richtigem Sauerteig. Die leckersten Brote und Brotbeläge kamen uns in den Sinn. „Oder wenigstens ein Weißbrot…“ Doch das gab es hier leider nirgends. Aber wenn man es nicht kaufen kann, kann man es vielleicht selbst machen?!

Collage Brot Amazonas

Brot im Amazonas

„Wie wär‘s mit Stockbrot?“ kam Jessy eines hungrigen Morgens der rettende Gedanke. Die Aussicht auf einen weiteren Teller Reis zum Frühstück war nicht sehr verlockend. Also kauften wir in Jordâo,  „nur“ eine Bootsfahrt von zwei Stunden entfernt, kurzerhand zwei Kilo Mehl und in Ermangelung an Hefe eben Backpulver. Und dann konnte es los gehen. Ab sofort gab es jeden Morgen frisches Brot vom Feuer. Ihr glaubt gar nicht wie köstlich Brot (so einfach es auch sein mag) schmecken kann… Auch Nuss-Brot-Schnecken und süße Brotfladen mit Banane und Nuss haben wir ausprobiert:

Nussschnecken vom Feuer Amazonas Küche Brasilien Huni Kuin Floresta

Amazonas Küche mal anders 🙂

 

Maniok für Alle!

Doch es gab auch Tage, da konnten wir nicht selbst kochen. Wenn wir im Dorf waren hatten wir keine Lebensmittel zum Verkochen und abgesehen davon waren die Feuerstellen meist belegt, da die Frauen durchgängig Maniok oder Bananen kochten. Es hatte eben ständig jemand Hunger. Also rein mit dem Maniok! 

Maniok wird geschält und anschließend in einem Wasser-Kräuter-Sud gekocht. Wenn er dann weich und essbar ist, wird er serviert. So einfach! Und lecker?! Naja… Die Einheimischen essen Maniok mit viel Salz, am liebsten Morgens, Mittags und Abends. Für uns eher gewöhnungsbedürftig.

Fisch Amazonas Essen Erfahrung blog Acre Brasilien

kleine Fische – frisch aus dem Fluss

Bei so viel Kartoffelgeschmack aus Maniok und Bananen freut man sich über etwas Abwechslung: frischen Fisch zum Beispiel. Die werden mit Netzen im Fluss geangelt und anschließend direkt wie sie sind auf’s Feuer bzw. in die Glut gelegt. 5 Minuten Wartezeit später erwartet einen leckerer frischer Flussfisch. Leider mit vielen winzig kleinen Gräten. Die Einheimischen, sogar die Kleinkinder, essen die Gräten natürlich mit. Jessy hat es versucht – außer viel Gewürge, kein Spaß.

Unser Dschungel-Highlight-Essen war mit viel Abstand ‚Nudeln mit selbstgemachter Tomatensauce‘. Die Zutaten dafür bekamen wir in Jordâo. Und wir können euch sagen: Nie haben Nudeln mit Tomatensauce besser geschmeckt, als mitten im Amazonas! 🙂

Küche mit Aussicht Amazonas Dschungel Brasilien Acre

Küche mit Aussicht

Was wir sonst so im Amazonas erlebt haben lest ihr in unseren Artikeln Leben wie die indigenen Völker im Amazonas Teil 1 und Leben wie die indigenen Völker im Amazonas Teil 2.

Sebastian im Amazonas? Wie es dazu kam, wie schwer es war alleine im Dschungel zu leben und wie es ist, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein: Sebastian antwortet

1 Kommentare

  1. Pingback: Sebastian antwortet - Leben im Amazonas - Papageientaucher

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.