Ein Tag in Otavalo

 

Lediglich zwei Busstunden von der Hauptstadt Quito entfernt, liegt die Stadt Otavalo. Die 50.000 Otavaleños leben umgeben von drei Vulkanen. Dem Imbabura, dem Cotacachi und dem Mojanda. Otavalo ist in Ecuador bekannt für seinen großen Markt auf dem man so ziemlich alles kaufen kann. Von Panflöten über Ponchos bis hin zu kleinen Lamas aus Alpakawolle (nein, keine echten.. die die man mitnehmen kann ohne mit dem Veterinäramt Probleme zu bekommen 🙂 ) gibt es alles was das Herz begehrt.

Aus dem Zentrum von Quito startend, nimmt man zunächst die Buslinie „C5“. Diese startet z.B. am Parque El Ejido. Das Busfahren in Quito ist günstig. Für 25 Cent fährt man mit dem Bus so weit man möchte, also z.B. einmal quer durch die Stadt. Nach Otavalo kommt man mit Bussen ab dem Busterminal „Carcelén de Quito“ im Norden der Stadt. Die Linie C5 fährt bis dorthin, Carcelen ist die Endstation – man kann also nichts falsch machen. Am Terminal in Carcelen angekommen folgt man am besten der Menge, welche gerade am Wochenende früh morgens direkt in Richtung des Ticketschalters für die Busse nach Otavalo drückt. Am Ticketschalter angekommen kauft man sein Busticket nach Otavalo für 2,60$. Wir waren uns nicht sicher, ob das der Touripreis war oder tatsächlich der normale Preis den auch die Einheimischen zahlen. Schilder auf denen die Preise stehen gibt es nicht, oder zumindest konnten wir keine finden. Auf jeden Fall sind 2,60$ für eine zweistündige Fahrt nicht teuer. Und das in einem tatsächlich komfortablen Bus. Mit neuem LED Fernseher an der Wand. Und richtig bequemen Sitzen!! Wir sind (trotzdem) die einzigen Touristen im Bus. Der Rest sind Einheimische, die wohl einen Wochenendausflug mit der Familie machen oder in Otavalo ihre Waren verkaufen wollen. Wir vermuten, dass die meisten Touristen den günstigen Buspreisen nicht trauen und vermutlich auch ihren Spanischkenntnissen nicht genug trauen, um den Weg nach Otavalo in Eigenregie anzutreten. Außerdem gibt es genügend Angebote in Quito über Ein-Tages-Ausflüge nach Otavalo. Angebote inkl. Stops mit Frühstück und Abendessen und einem Ausflug an den nahegelegenen See inbegriffen gibt es wie Sand am Meer für um die 50-60$. Wir versuchten uns an dem „Abenteuer“ ohne Gruppe und Guide 🙂

Angekommen in Otavalo hält unser Bus auf einem großen Parkplatz mitten im Zentrum. Zu Fuß sind es von hier ca. 8 Minuten zum großen Markt.

Die Otavaleños verkaufen hier alles schier erdenkliche an Kleidung, Mänteln, Stofftieren, Souvenirs wie Instrumenten, wunderschöne farbige Taschen in allen Größen, schöne große warme Decken aus Alpaka und vieles mehr. Auch einen Tiermarkt gibt es, etwas oberhalb des Zentrums.

Die bekannten handgeflochtenen Panama-Hüte kommen aus Panama, richtig? Nein. Tatsächlich falsch. Panama-Hüte, auch Jipijapa genannt, kommen ursprünglich aus Ecuador.

Wikipedia sagt dazu folgendes:

Die falsche Herkunftsbezeichnung des „Panama“-Hutes beruht auf verschiedenen Ereignissen. Die erste Verwechslung des realen Herkunftslandes Ecuador mit Panama fand 1855 statt, als der für Napoleon III. gedachte sombrero de paja toquilla in Panama eingeschifft wurde. Für die Franzosen galt damit Panama als Ursprung dieses Huttyps.[5]

Im 19. Jahrhundert durften Güter, die in Südamerika ohne Mitwirkung von in den USA beheimateten Firmen produziert wurden, nicht direkt aus den Ursprungsländern in die USA eingeführt werden. Die zentrale Sammel- und Zollstelle für deren USA-Import war allein Panama. Daher trugen alle diese Hüte, aus welchem Land sie ursprünglich auch stammten, die Zollstempel aus Panama. Man nannte sie daher in den USA kurzerhand „panama hat“.

Quelle: Wikipedia

Die originalen Panama-Hüte gibt es natürlich zuhauf hier auf dem Markt zu kaufen. Je nach Verhandlungsgeschick sollte man so um die 20$ einplanen. Das Besondere, wie uns die Verkäuferin hier belehrt, man die Hüte ROLLEN. Und sie lassen sich ohne Knicke oder Spuren wieder in ihre ursprüngliche Form zurückverwandeln. Super! 🙂

Leckere frische Früchte, alle erdenklichen Arten von Gemüse und Gewürzen warten auf Käufer (und finden auch welche 🙂 ).

Was die Preise betrifft sollte man handeln. Unbedingt! Erfahrungsgemäß setzen die Verkäufer die Preise mind. 30-40% höher an als angebracht wäre. Vielleicht sogar noch höher. Einen Alpakapullover beispielsweise bekommt man auf Nachfrage (auch hier natürlich keine Preise an den Waren) für 22$ angeboten. Wenn man dann etwas zögert, nachdenkt und sich etwas Zeit nimmt, gehen die Verkäufer meist schon automatisch auf 20$ und ein paar Minuten später auf 16$ runter. Handeln oder zumindest sich Zeit lassen und am Stand verharren hilft also und spart einiges an Dollar.

Wir hatten einen wunderschönen Tag in Otavalo und können einen Ein-Tages-Ausflug dorthin auf jeden Fall empfehlen. Wer nur ein bisschen Spanisch spricht (auch Englisch würde wohl ausreichen) wird keine großen Probleme haben ohne Gruppe und Führer nach Otavalo und auch wieder zurück zu finden.

Glücklich ist, wer genug Platz in seinem Rucksack hat für die wunderschönen Dinge aus Otavalo. Wir hatten ihn leider nicht. Den Platz.

Wer durch all das Shoppen Hunger bekommt sollte das Spanferkel probieren. In der Essenstraße direkt am Markt bekommt man einen Teller mit Fleisch vom Ferkel, Mais, Salat und Tomaten für 3$ (die kleine Portion) oder 5$ (mit mehr Fleisch).

Viel Spaß beim Shoppen,

Eure Jess